Praslin

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Praslin – auf See

Am nächsten Morgen holte uns Luc rechtzeitig ab und brachte uns zum Flughafen. Dort waren wir gespannt auf die Reaktion auf unser Gepäck. Mit Tauchausrüstung brachten wir es immerhin auf 50 kg und hatten zuvor von max. 10 kg Gepäck pro Person gelesen. Doch es gab keinerlei Probleme und schon 20 Minuten später waren wir auf Praslin.

Am Flughafen empfing uns Judy, die sehr nett und hilfsbereit war. Auf der Fahrt zur Anse Posession, wo wir uns auf der Sea Shell einschiffen sollten, hielt sie an jedem nur erdenklichen Laden, um uns bei der Suche nach Peaceful Sleep zu helfen. Selbst am Eingang zum Vallee de Mai, eigentlich ein totsicherer Tipp, wurden wir enttäuscht. Man konnte uns nicht mal sagen, wann Nachschub eintreffen würde.

An der Anse Posession wurden wir bereits von Tal und Michael empfangen, die uns zusammen mit Sue, einer alleinreisenden Amerikanerin, zur Sea Shell brachten. Dort waren wir die ersten Gäste und konnten gleich unsere Kabine beziehen. Full Service wird auf diesem Schiff groß geschrieben und ich frage mich bis heute, wie sie den schweren Koffer die enge Wendeltreppe hinunter befördert haben.

Wir bekamen Kabine 1 zugeteilt und hatten damit auch die Kontrolle über die Klimaanlage für die Kabinen 1 und 2. Leider muffelte die Klimaanlage und der Verdichter befand sich direkt unter unserem „Doppelbett“, das maximal so breit wie 1 ½ Betten war. Nachdem die erste Nacht deswegen recht schlaflos verlief, haben wir sie ausgeschaltet und uns mit geöffneter Dachluke und Tür beholfen.

Die Kabinen sind naturgemäß sehr klein und verfügen nur über einen ca. 20 x 30 cm großen Lichtschacht, dessen Glas sich öffnen lässt. Wegen der beschriebenen Probleme mit der Klimaanlage war die Luft auf unserer Reise recht stickig und wir hielten uns – trotz regnerischen Wetters – nur zum Schlafen unter Deck auf. Beim Schwesterschiff Sea Pearl, das erst kürzlich renoviert wurde, hat es nach Aussagen eines Reisenden, den wir später auf La Digue trafen, diese Probleme nicht gegeben.

Nach und nach kamen auch die restlichen Passagiere, zwei Franzosen von La Réunion, ein deutsches Ehepaar aus der Schweiz, ein weiteres aus Essen und zwei Lehrerinnen aus Österreich, an Bord. Eine nette Gruppe, die recht schnell zusammengefunden hat und bei der es nie Probleme mit Außenseitern oder Grüppchenbildung gab.

Den ersten Tag verbrachten wir in der Anse Posession. Nach einem super leckeren Mittagessen, von Koch Peter in der engen Kombüse hinter der Brücke zubereitet, gab es ausführlich Gelegenheit zum Schnorcheln und Tauchen. Leider hat El Niño keinen Bogen um die Seychellen gemacht, so dass es kaum noch intakte Korallen gibt. Hier und da bilden sich langsam wieder neue, meist aber nur handtellergroß. Die vielen bunten Fische sind dennoch ein Erlebnis, auch wenn der graue Hintergrund der toten Korallen natürlich stört.

Vor dem Abendessen fuhren wir ein paar Kilometer zur kleinen Insel St. Pierre, wo sich nochmals die Möglichkeit zum Tauchen oder Schnorcheln bot. Die Kosten fürs Tauchen sind mit € 28,- pro Tag recht moderat, denn wir hatten immer zwei Tauchgänge. Falls möglich sollte man aber eigenes Equipment mitbringen, denn sonst zahlt man für Anzug, Weste, Flossen etc. nochmals € 24,- pro Tag. Richtig happig wird’s aber bei den € 10,- für das Ausleihen der Taschenlampe für einen Nachttauchgang.

Da wir nur drei Taucher waren, wurde etwas wenig Rücksicht auf unsere Bedürfnisse genommen. So war der Kapitän – Mitinhaber Amit Wasserberg – meist nicht bereit, für eine Stunde an speziellen Tauchspots zu ankern und begründete dies mit der Rücksicht auf die anderen Gäste. Diesen hätte es aber nichts ausgemacht, ein wenig auf uns zu warten. Es wäre ja egal gewesen, ob man an Punkt A oder B an Deck sitzt und das Bootsleben genießt. Leider gab es auch die Schnorchelausflüge fast nur parallel zu den Tauchgängen. Da meine Frau nicht taucht und nicht allein Schnorcheln wollte, war sie hier etwas gehandicapt.

Jeden Nachmittag gab es Kaffee und selbstgebackenen Kuchen und wir konnten den Rest des Tages auf Deck genießen. Leider erwischten wir eine recht regnerische Woche, so dass man sich immer wieder unter dem Regenschutz am Heck drängte, statt es sich auf dem Sonnendeck gemütlich zu machen. Auch die sonstigen Aktivitäten auf dem Schiff – Surfen, Wasserski, Rope Jump, Kanu – fielen meist dem Wetter zum Opfer. Doch wir wurden jeden Tag mit einem traumhaften Essen aus der Kombüse entschädigt, das nicht nur den Gaumen, sondern auch das Auge erfreute.

Abends traf man sich an Deck und ließ den Tag Revue passieren. Natürlich durften auch die Drinks nicht fehlen, wenn auch wegen des Wetters nur selten ein Sundowner dabei war. Es waren auch immer ein paar Leute der Crew mit von der Partie, die uns viel über das Leben auf den Seychellen berichteten oder versuchten, uns in die Geheimnisse des Sega einzuweihen. Unsere Bewegungen zu den heißen Rhythmen der kreolischen Musik wirkten allerdings etwas unbeholfen und so waren wir froh, als man zum zwar anstrengenden, aber leichter zu erlernenden Stick Dance überwechselte.

Programmpunkt am nächsten Tag: Besichtigung der Insel Curieuse. Normalerweise werden die Gäste an der Anse St. José abgesetzt und können die Insel selbst erkunden. Doch Crewmitglied Jimmy, der viele Jahre auf der Vogelinsel Aride gearbeitet hatte und sich entsprechend gut mit Flora und Fauna auskennt, begleitete uns in seiner Freizeit. So erfuhren wir viel über die Pflanzen, rochen an junger Vanille und lernten die Mangrovenwälder kennen.

Hauptattraktion waren aber natürlich die Schildkröten, die sich bereitwillig von den Touristen am Hals kraulen ließen. Wenn man sich geschickt anstellte und die Tortoise richtig verwöhnte, wurde ihr Hals immer länger. Profis schafften es sogar, sie innerhalb kürzester Zeit zum Aufstehen, dem Zeichen höchsten Genusses, zu bewegen. Auf dem Rückweg, schon fast wieder am Strand der Anse St. Jose angekommen, kam uns eine Schildkröte entgegen, die sich den engen und steinigen Waldweg hoch mühte. Sie wird wohl bis zum Wiedersehen mit ihren Artgenossen noch einige Tage gebraucht haben.

Nachdem wir den Strand und die Wellen genossen hatten, ging es zum Mittagessen zurück aufs Schiff, von dort am Nachmittag wieder in die Anse Posession und am nächsten Morgen Richtung La Digue. Erstmals wurde das Hauptsegel gesetzt, doch alle Segel, wie auf den Prospekten und im Fernsehbericht zu sehen, gab’s während der gesamten Fahrt nicht. Dafür hätte nämlich am Heck die Plane abmontiert werden müssen, die als Regenschutz diente. Doch auch bei schönem Wetter ist wohl nur selten die volle Segelpracht zu bestaunen, denn die Gäste wüssten den Sonnenschutz der Plane zu schätzen, so die Aussage des Kapitäns.

Auf La Digue wurden wir wieder von Jimmy begleitet. Während sich fast alle Anderen ein Fahrrad mieteten, entschlossen wir uns für die Erkundung zu Fuß. Schließlich hatten wir keine Eile, denn schon eine Woche später wollten wir sechs Tage auf La Digue verbringen. Glücklicherweise trafen wir jedoch unsere Mitreisenden im Union Estate wieder. An der Copra Mühle hatte Jimmy gerade veranlasst, dass der Ochse eingespannt und die Mühle in Gang gesetzt wurde. Das Öl roch genau so, wie wir es aus Bounty kennen.

Anschließend erklärte Jimmy, wie man professionell eine Kokosnuss mit Hilfe des Sharpsticks öffnet und wie die Früchte anschließend zerkleinert und getrocknet werden. Schade, dass man als normaler Besucher des Union Estate darüber nichts erfährt, da es keine Hinweistafeln oder Führungen gibt. Danach sind wir weiter zur Anse Source d’Argent, dem bekanntesten Traumstrand der Seychellen. Er ist wirklich sehr schön, wenn auch für Seychellenverhältnisse überlaufen. Zwischen Kaffee und Abendessen schipperten wir zurück zur Anse Posession, wo wir auch die Nacht verbrachten.

Am nächsten Morgen brachte uns ein Bus zum Vallee de Mai. Im Nationalpark selbst bekamen wir eine Führung, die uns nicht so gut gefiel. Ich kam mir vor wie früher auf einer Klassenfahrt, wenn Lehrer oder Führer viel zu sehr ins Detail gegangen sind und man sich nur das Ende wünschte. Die Führerin erzählte zwar viel über biologische Details, doch leider haben wir nur eine kleine Tour durch die Heimat der Coco de Mer machen können. Wir wären lieber alleine eine größere Tour gelaufen und hätten die nötigen Details auf den Infotafeln gelesen.

Das Vallee de Mai gehört wohl zum Pflichtprogramm der Praslin-Besucher und ist sicher auch faszinierend, stellt es doch – neben Curieuse – das einzige natürliche Vorkommen der Coco de Mer dar. Ob dafür aber € 15,- Eintritt (ohne Führung) gerechtfertigt sind, muss jeder selbst entscheiden. Für uns war es doch eher Touri-Nepp, vor allem wenn man die Preise der Vorjahre kennt.

Bevor es zurück aufs Schiff ging, machten wir einen kleinen Abstecher in das Dorf Cote d’Or und dort geschah ein Wunder: In einem Souvenirladen fanden wir endlich Peaceful Sleep! Dieser Erfolg musste sofort bei einem leckeren Eis in der italienischen Gelateria da Luca gefeiert werden. Anschließend fuhren wir mit dem Schiff weiter zur Anse Lazio, wo wir vor dem Abendessen noch einen schönen Nachttauchgang erlebten.

Der Himmel zeigte sich am nächsten Tag zwar bewölkt, doch schon bald verbesserte sich die Lage, so dass wir zum Strand ablegen konnten. Leider hatte der Kapitän zu viel Angst um sein Beiboot, so dass wir nur das Nötigste mitnehmen konnten. Am Traumstrand Praslins genossen wir einen sonnigen Nachmittag und das Spiel mit der Brandung. Am Abend wurde uns wir endlich ein Sonnenuntergang wie aus dem Bilderbuch geboten, der nur von der zwischen uns und Sonne liegenden Pearl of Seychelles (Luxus-Katamaran) gestört wurde.

Am nächsten Morgen fuhren wir weiter Richtung Cousin, einem Vogelschutzgebiet. Dort gibt es keine Feinde für die Vögel, so dass diese auch auf dem Boden brüten. Entsprechend bemüht sind die Parkwächter, dass keine Katzen, Ratten oder andere Räuber mit den Touristen auf die Insel kommen. So müssen alle Boote vor der Insel ankern und ihre Beiboote vertäut lassen. Man wird vom inseleigenen Shuttle Service abgeholt und damit die Touristen keine nassen Füße bekommen, werden die Boote einfach mit einer großen Welle und hoher Geschwindigkeit direkt auf den Strand gefahren.

Auf der Insel selbst dann eine sehr interessante und abwechslungsreiche Führung durch einen jungen Parkwächter. Zu den Höhepunkten zählten dabei auf jeden Fall die beiden Magpie Robins vor unseren Füßen. Einziges Manko war die ständige Furcht vor einem Abschuss mit Vogelkot.

Nach einem Abstecher über Curieuse zum Schnorcheln und Tauchen schipperten wir am Nachmittag zurück in die Anse Posession. Dort konnten wir das gute Wetter nochmals nutzen und endlich dem Rope Jump frönen. So gaben einige Möchtegern-Tarzans ihr Können zum Besten, wurden aber schnell von den lokalen Experten der Crew in die Schranken verwiesen. Am nächsten Morgen mussten wir dann die Sea Shell verlassen. Obwohl dies ja abzusehen war, verlief alles zu schnell und wir hatten zu wenig Zeit uns von den neu gewonnenen Freunden, sowohl Crew als auch Mitreisende, zu verabschieden.

Die Woche auf der Sea Shell war sicher kein billiger Spaß, aber sie war nicht nur der Auslöser für unsere Reise auf die Seychellen, sondern einer der Höhepunkte. Während oft in den Hotels Kontakte nur schwer herzustellen sind, ist man hier als Gruppe auf engem Raum zusammen und erlebt alles gemeinsam. Besonders auch die Herzlichkeit der Crew, die einem Einblicke in ihr Leben gewähren, und das traumhafte Essen machen diese Reise zu etwas ganz Besonderem. Beim nächsten Mal würden wir jedoch bereits im Vorfeld unseren Arzt bezüglich der richtigen Medikamente gegen Seekrankheit kontaktieren und mit der rechtzeitigen Einnahme derselben beginnen.

Zu dem darf man sich nicht zu viel von den Segeltörns erwarten. Zum Einen werden die meisten Strecken per Dieselmotor zurückgelegt und zum Anderen sind die Entfernungen ja recht kurz. Ich hatte mir mehr Fahrten zu einsamen Buchten, die nur schwer oder gar nicht von Land aus zu erreichen sind, vorgestellt. Im Prinzip könnte man das alles auch als organisierte Tour von einem Hotel aus machen, aber dann ginge eben das Gruppenerlebnis flöten. Und vor Allem bei schönem Wetter bietet das Schiff natürlich auch viele weitere Freizeitmöglichkeiten, die wir nur eingeschränkt nutzen konnten.

Praslin – an Land

Die kommenden drei Tage wollten wir uns einfach nur von der Schiffsreise erholen und den lieben Gott einen netten Mann sein lassen. Dafür hatten wir uns das sehr abseits gelegene La Vanille Hotel an der Anse La Blague im Nordosten ausgesucht. Das Hotel ist ein in den Hang gebauter Traum. Die Zimmer sind sehr großzügig und in unserem Bad waren an einer Wand Felsen in den Raum integriert. Weitere Infos wieder im Bereich Hotels.

Im Reiseführer von Wolfgang Därr wird die Anse La Blague als Schnorchelparadies empfohlen. Leider war bei unserem Besuch selbst bei Flut der Wasserstand recht niedrig, so dass man erst ein ganz schönes Stück über die Steine unter Wasser laufen und – wenn man zu nah an der Ebbe Schnorcheln ging – beim Schwimmen immer mal wieder den Bauch einziehen musste. Besonders an diesem Strand waren wir froh, keine Schwimmbad-, sondern Geräteflossen mit Füsslingen zu haben.

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