La Digue

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La Digue

Bei der Überfahrt nach La Digue passierte uns ein typischer Touri-Fehler: Wir setzten uns auf die Bänke im Freien am Bug. Die nassen Sitzflächen störten uns nur wenig und auch die Frage eines Crewmitglieds, ob wir da wirklich sitzen wollten, konterten wir mit einem „Wenn’s zu schlimm wird, können wir ja noch nach hinten kommen.“ Und es wurde schlimm. Nur kämpfte sich das Schiff so durch die Wellen und wogte von links nach rechts, so dass an Aufstehen nicht zu denken war. Wenn wir schon nicht trockenen Fußes auf La Digue ankommen sollten, dann wollten wir wenigstens während der gesamten Fahrt an Bord bleiben. So blieb uns nichts weiter übrig, als elektronische Geräte bestmöglich vor dem Spritzwasser der Wellen zu schützen und die hämischen Blicke der Crew von der Brücke stoisch zu ertragen.

Auf La Digue angekommen, brachte uns Dannys Ochsenkarren zum Calou Guesthouse wo wir nach einem leckeren Drink frisch aus der Kokosnuss den Bungalow beziehen konnten. Den Nachmittag verbrachten wir mit einer kurzen Erkundung der Infrastruktur in der näheren Umgebung und einem Ausflug zum Cap Barbi.

Als Besonderheit wird im Calou das Abendessen von allen Gästen gemeinsam eingenommen; es kann nur HP gebucht werden. Um halb acht läutet die Schiffsglocke an der Bar und alle finden sich an der langen Tafel ein. Was zunächst ungewöhnlich wirkt, stellt sich schnell als optimaler Gesprächsstifter heraus und so bekommt man jeden Abend neue Tipps für den kommenden Tag. Während unserer sechs Tage auf La Digue wohnten außer einem italienischen Pärchen nur Deutsche im Calou, was entsprechend ungünstig für die nicht deutsch sprechenden war. Aber sicher haben auch sie sich das hervorragende, wenn auch manchmal für Touristenzungen etwas scharfe, und abwechslungsreiche Essen schmecken lassen.

Schon unsere Mitreisenden von der Sea Shell hatten von der Grand Anse geschwärmt und auch die anderen Gäste des Calou waren begeistert. So führte uns unser erster Tagesausflug dorthin. Da ein vorgelagertes Riff fehlt, findet man hier riesige Brecher direkt am Strand und ein Schild, dass Baden lebensgefährlich sei. Das hinderte die meisten jedoch nicht, zumindest mit den Füßen ins Wasser zu gehen und einige Einheimische waren beim Wellenreiten zu beobachten. Wenn man sich ins Wasser wagt, muss man aber äußerste Vorsicht walten lassen. Ich stand nur bis knapp über die Knöchel im Wasser und musste zur Rückkehr an den Strand auf eine Welle von hinten warten. Der Sog des abfließenden Wassers verhinderte wirkungsvoll eine Bewegung gegen seinen Willen.

Direkt hinter der Grand Anse führt ein Weg zur Petit Anse und zur Anse Cocos. Es ist jedoch darauf zu achten, dass man beim ersten Anstieg an der Weggabelung nach rechts geht. Auf einem Stein sind Pfeile sowohl geradeaus als auch rechts. Wenn man wie wir gerade weitergeht, kommt man hinter dem Strand an der Kuhweide heraus, muss diese überqueren und erreicht den Strand erst am östlichen Ende. Dies ist nicht nur weiter und anstrengender, sondern wegen der nicht immer freundlich blickenden Ochsen auch nicht sicherer.

Am folgenden Tag wanderten wir in die entgegengesetzte Richtung, vorbei an Anse Severe und den beiden Hotels Ocean und Patatran an die Nordostküste. An der Anse Gaulettes fand sich ein geschütztes Stückchen „Privatstrand“ nur für uns beide, an dem wir nicht nur Schönheit und Einsamkeit, sondern endlich auch Sonne genießen konnten. Durch die Flut wurde der Sandstreifen immer kleiner und wir entschlossen uns, der Straße weiter Richtung Süden zu folgen.

Da zwischenzeitlich erneut Wolken aufgezogen waren und es auch immer mal wieder regnete, kamen wir, ohne Zwischenstop an einem der Strände am Straßenrand, recht bald ans Ende des Wegs an der Anse Fourmis. Von dort geht es leicht den Berg hoch direkt ins dichte Unterholz. Anfangs finden sich noch Wegmarkierungen, doch schon nach wenigen Metern steht man vor undurchdringlichem „Dschungel“. Nachdem es weder uns noch anderen Touristen gelungen war, einen Weg weiter nach Süden zu finden, kehrten wir um und genossen einen sonnigen Nachmittag an der Anse Severe.

Abends wurde es zwischen sechs und halb sieben dunkel. Wir hatten zwar Taschenlampen für abendliche Ausflüge im Gepäck, aber nachdem es wirklich stockdunkel war, haben wir dieses Vorhaben nie in die Tat umgesetzt. Es hätte ja auch kein Nightlife zu erkunden gegeben. So sind wir – müde von den Ausflügen per pedes – nach dem Abendessen meist direkt ins Bett gegangen, was den Vorteil hatte, dass wir morgens früh beim Frühstück und bereits unterwegs waren, wenn die meisten anderen Gäste erst aufgestanden sind.

So fanden wir uns dann auch als (fast) erste an der Anse Source d’Argent ein und konnten nicht nur den traumhaften Strand, sondern ebenfalls den wunderschönen Weg dorthin genießen. Nachdem wir in den vergangen Tagen sehr viel zu Fuß on Tour waren, gönnten wir uns einen Tag Faulenzen und ließen uns nicht einmal von den im Laufe des Tages deutlich steigenden Besucherzahlen aus der Ruhe bringen.

Vor dem Rückweg suchten wir noch nach einem schönen Fotospot und beabsichtigten zu erkunden, ob sich hier der Weg zur Grand Anse leichter finden lässt als an der Anse Fourmis. Trotz Reiseführer erkannten wir nach Kurzem: auch hier Fehlanzeige. Klaus, der Inhaber des Calou, meinte am Abend sogar, dass es gar nicht mehr möglich sei, die Insel zu umrunden. Nachdem an den entlegenen Buchten niemand mehr wohne, seien die Wege eben zugewachsen. In La Passe gibt es aber einen Veranstalter der Wanderungen anbietet, darunter auch die Umrundung der Südspitze. Leider hatte diese gerade am Vortag stattgefunden und beim nächsten Termin waren wir nicht mehr auf der Insel.

Weil wir von der Anse Fourmis keinen Weg zur Grand Anse gefunden hatten, wollten wir es in der Gegenrichtung versuchen. Zuvor faszinierte uns das Treiben an der Grand Anse und die Abgeschiedenheit der Anse Cocos. Der Weg dorthin war mit Hilfe des Reiseführers von Wolfgang Därr wirklich leicht zu finden. Schön ist zudem der Gang durch die alte Kokosplantage, die sich angenehm vom übrigen Gelände abhebt.

Die im Führer beschriebene Abzweigung fanden wir nicht und standen so am Ende an der Anse Caiman, von wo aus wir das Ziel, die Straße an der Anse Fourmis, bereits entdeckten. Zunächst konnten wir auch weiter auf Wegmarkierungen setzen, bis diese plötzlich verschwunden waren. Gemeinsam mit einem Schweizer Paar, das kurz nach uns an der Anse Caiman angekommen war, suchten wir über eine Dreiviertelstunde - vergeblich. Es war bereits kurz nach 16 Uhr und wir hatten keine Taschenlampen dabei. Um kein Risiko einzugehen, machten wir uns auf den Rückweg. Obwohl wir wiederholt nach der Wegkreuzung Ausschau hielten, blieb sie im Verborgenen.

Leider verpassten wir an der Grand Anse das letzte Shuttle zur La Digue Lodge, der Unterkunft der Schweizer und mussten den ganzen Weg zu Fuß zurückmarschieren. Wir schafften es, kurz vor Einbruch der Dunkelheit wieder am Calou zu sein, kühlten die heißgelaufenen Sohlen und schworen uns, beim nächsten Mal nicht mehr ohne Taschenlampe loszuziehen. Sicher ist sicher. Bedauerlicherweise waren unsere Wanderversuche in wenig erschlossenem Gelände auf La Digue nicht von Erfolg gekrönt, haben uns aber trotzdem einen Einblick in Flora und Fauna abseits der üblichen Wege erlaubt. Und beim nächsten Mal erkundigen wir uns rechtzeitig nach den Terminen der geführten Wanderungen.

Am letzten vollen Tag auf La Digue kehrten wir nochmals in die Union Estate zurück, machten jedoch schon am Strand vor President’s House Halt. Die Fahrrinne der etwas weiter südlich gelegenen Werft war uns als Schnorchelparadies empfohlen worden. Und tatsächlich, kaum waren wir im Wasser, schwamm ein kleiner Stachelrochen vorbei und neben unzähligen bunten Fischen gaben sich extra zwei Schildkröten die Ehre. Für uns der Schnorchelplatz auf La Digue, man muss nur etwas auf die parallel zum Strand verlaufende Strömung achten.

Jeden Sonntagabend bietet das Calou seinen Gästen ohne Aufpreis ein Buffet im Strand Restaurant an der Grand Anse an. Nur für den Transport im Taxi-LKW werden ein paar Rupien fällig. In toller Atmosphäre mit den Füßen im Sand konnten wir wieder einmal ein traumhaftes Abendessen genießen. Später gab es noch ein bisschen Tanz, doch der DJ wechselte zu schnell von kreolischer Musik zu vermeintlich Touri-verträglicheren internationalen Hits. Zudem war Klaus recht ungeduldig und blies schon früh zur Rückkehr. Insgesamt hinterließ er auch den Eindruck, dass ihm seine Gäste in dieser Woche – trotz eigenem Urlaub zuvor – lästig waren. Seinen Biergarten ließ er geschlossen und zu einem Bier nach dem Buffet an der Grand Anse ließ er sich nur mit Mühe überreden.

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